VORTRÄGE, FÜHRUNGEN UND STUDIENFAHRTEN
Samstag, 2. März, 12 Uhr + 14 Uhr
„Der Duisburger Krekelentag“ (szenische Lesung & Archivführung)
Ort: Stadtarchiv, Karmelplatz 5, 47051 Duisburg
1563: Johannes Corputius fertigt seinen berühmten Stadtplan von Duisburg an. Doch seinem Lehrer Gerhard Mercator ist das nicht genug: Nun soll er auch noch eine Geschichte der Stadt dazuschreiben! Dabei hat der junge Student doch überhaupt keine Ahnung von Duisburger Geschichte… Doch zum Glück lebt das Forscherpaar Cornelius Wouters und Georg Cassander direkt nebenan. Und die beiden freuen sich, endlich aus dem historischen Nähkästchen plaudern zu können. Besonders aufregend ist die Geschichte vom „Krekelentag“, einem echten Duisburger Feiertag, der auf die dramatischen Ereignisse einer Nacht im März 1445 zurückgeht. Doch stimmt das alles, was die beiden Gelehrten behaupten – oder lohnt nicht vielleicht doch manchmal der Blick ins Archiv mehr als das Vertrauen auf das, was einem so erzählt wird?
Die szenische Lesung mit anschließender thematisch passener Archivführung findet im Rahmen des „Tag der Archive“ statt.
Sonntag, 03. März, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
François Rabelais und „Gargantua“ – oder wie die Renaissance nach Frankreich kam
Dirk Schäfer & Wolfgang Schwarzer
François Rabelais (1494–1553) artikulierte mit seinem Romanzyklus „Gargantua und Pantagruel“ als Erster, so liest man in den Literaturgeschichten, das Lebensgefühl der Renaissance. Die „Wiedergeburt“ der antiken Philosophie und Wissenschaft in Italien setzte sich in Frankreich fort und kollidierte mit dem katholisch geprägten Mittelalter.
Eine Zeitenwende ereignete sich, welche sowohl die hohe Politik, die Wissenschaft wie auch das öffentliche Leben erschütterte. Die Krise des Kollektivs rückte das Individuum in den Blickpunkt. Deutschland veränderte die Welt durch Gutenbergs Drucktechnik und Duisburg durch Mercator mit der nach ihm benannten Projektion. Kolumbus landete in Amerika und Rabelais schuf mit revolutionärer Sprachgewalt und scharfer Satire einen
neuen Blick auf seine Epoche.
In Kooperation mit der Deutsch-Französischen Gesellschaft Duisburg e. V.
Samstag, 23. März, 18 Uhr
Szenen des 16. Jahrhunderts (szenische Lesung)
Ort: Deutsches Schloss- und Beschlägemuseum, Heinz-Schemken-Platz 1, 42551 Velbert
„Mercators Nachbarn“ geben ein Gastspiel in Velbert: Die szenische Lesung wird ein Panorama des 16. Jahrhunderts entfalten und sowohl von Gerhard Mercator und seiner Weltkarte erzählen als auch vom aufsehenerregenden Fund eines verschollenen Buches im Kloster in Werden berichten! Doch die Szenen führen nicht nur in die Studierstuben der Gelehrten, sondern blicken auch in die herrschaftlichen Gemächer, in denen sich Anna von Kleve, die Schwester von Herzog Wilhelm V., auf ihre Hochzeit mit Heinrich VIII. von England vorbereitet. So manche seiner Gemahlinnen nahm ja kein gutes Ende – ob Anna wohl mehr Glück haben wird?
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten. Bitte vorab anmelden unter museum@velbert.de oder 02051 262285.
Samstag, 6. April, 15 Uhr
Kunst in der Innenstadt (Führung)
Klaus-Dieter Brüggenwerth
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
Dass Kunst nichts ist, was man nur im Museum betrachten kann, zeigt der etwa zweistündige Rundgang zur Kunst in der Stadtmitte mit Klaus-Dieter Brüggenwerth. Wer weiß schon, dass in Duisburg ein echter Gerhard Richter Tag und Nacht zu bewundern ist? Oder was es mit den beiden Gottheiten auf sich hat, welche den Eingang der Commerzbank flankieren? Klaus-Dieter Brüggenwerth führt unterhaltsam und kenntnisreich durch die Stadt und lädt dazu ein, die Orte, an denen man sonst im Alltag vorbeihetzt, unter einer neuen Perspektive zu betrachten – und die eigene Stadt von einer anderen Seite kennenzulernen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 7. April, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Leonardo da Vinci und die Frauen
Dr. Kia Vahland
Mit seinen Geistesblitzen, Visionen, Maschinenträumen, anatomischen Studien gilt Leonardo da Vinci als Vordenker der Moderne. Das Wichtigste aber war dem Universalgenie und Schöpfer der legendären „Mona Lisa“die Malerei, die er zum Leitmedium seiner Epoche machte. Die Kunsthistorikerin Kia Vahland zeigt, wie ihm das gelang: Er verbündete sich mit den Frauen. Von der stolzen jungen Maria bis zur weisen Mona Lisa, von der dynamischen „Dame mit dem Hermelin“ bis zur gütigen heiligen Anna sind sie die Hauptfiguren seiner Gemälde. Um das Weibliche kreisen seine wegweisenden Ideen zur Naturgeschichte, zur Schöpfung und zur Kunst.
Leonardo da Vinci malt Frauen, wie die Welt sie noch nicht kannte: als selbstbewusste, zugewandte Wesen mit komplexer Persönlichkeit; er feiert ihren Eigensinn, ihren Verstand, ihre Emotionalität und ihre Sinnlichkeit – und erfindet so gemeinsam mit seinen Modellen die moderne Frau als ebenbürtiges Gegenüber des Mannes.
Samstag, 13. April, 15 Uhr
Römer und Franken am Rhein – die Anfänge Duisburgs (Vortrag)
Harald Küst, Werner Pöhling
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Vom römischen Grenzkastell und dem Bataveraufstand bis zum fränkischen Königssitz Dispargum – das Gebiet, wo einst die Ruhr in den Rhein mündete, hat viel Geschichte erlebt. Was durch Archäologie und schriftliche Quellen über die Duisburger Region zwischen dem ersten und dem sechsten Jahrhundert bekannt ist, davon berichten Harald Küst und Werner Pöhling von Mercators Nachbarn in ihrem Vortrag. Anschaulich wird das Leben damals auch durch die zahlreichen Ausgrabungsfunde, die in der Ausstellung des Museums gezeigt werden.
Samstag, 20. April, 15 Uhr
Kunst in Ruhrort (Führung)
Klaus-Dieter Brüggenwerth
Ort: 1000-Fenster-Haus, Ruhrorter Str. 187, 47119 Duisburg
Klaus-Dieter Brüggenwerth führt bei diesem etwa zweistündigen Spaziergang durch Ruhrort und zeigt die Werke einer überaus lebendigen Kunstszene. Viel gibt es hier zu entdecken, sei es am Hafen, sei es am Markt, sei es schon alt oder noch relativ jung. Dank des großen Hintergrundwissens des Duisburger Künstlers Brüggenwerth werden auch ortskundige Gäste sicher einiges Neue erfahren.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 4. Mai, 15 Uhr
Von Bächen, Brunnen und Brandschutz (Führung)
Roland Wolf
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
Roland Wolf führt ausgehend vom Innenhafen durch die einst von Wasser umspülte Duisburger Altstadt. Auf dem Rundgang berichtet er von den vielfältigen Segnungen, aber auch Bedrohungen des Wassers für die mittelalterliche Stadtgesellschaft. Der Weg führt an längst verlandeten Hafenbecken, alten Brunnen und einem früheren jüdischen Ritualbad vorbei. Geklärt wird auch, welche besondere Aufgabe die Karpfen im Stadtgraben hatten.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 5. Mai, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Raffaels „Die Schule von Athen“ – Von der Philosophenakademie zur Hall of Fame
Prof. Dr. Henry Keazor
Raffaels um 1510/11 gemaltes Fresko „Die Schule von Athen“ in der Stanza della Segnatura des Vatikan zählt zu den berühmtesten Werken der Kunstgeschichte. Aber wieso hat es die Darstellung einer Versammlung von Philosophen überhaupt zu einer solchen Popularität geschafft? Warum wurde und wird gerade dieses Bild immer wieder derart diskutiert, ausgedeutet und vor allem im Laufe der Geschichte in den unterschiedlichsten Zusammenhängen, auch jenseits von Philosophie und Kunstgeschichte, rezipiert? Wieso kann man es ebenso ernsthaft in der Kunst und Populärkultur adaptiert wie in diesen Bereichen auch genauso parodiert finden?
Der Vortrag wird zeigen, dass Raffael mit dem Fresko zum einen eine geniale Lösung für die Aufgabe gelungen ist, die an und für sich abstrakten philosophischen Disziplinen sowie ihre Geschichte und Zusammenhänge anschaulich darzustellen. Das hierfür von dem Künstler entwickelte kompositorische Konzept erwies sich zum anderen darüber hinaus als so tragfähig, dass es bis heute erfolgreich auch auf andere, von der Philosophie gänzlich ferne Themen angewendet werden kann.
Im Anschluss an eine Erörterung der Entstehungsbedingungen der „Schule von Athen“ wird sodann ein Parcours durch die Kunstgeschichte eröffnet, der nach Italien, Frankreich, England und Deutschland führt, am Ende aber auch bei Vereinnahmungen durch zeitgenössische Installationskunst, Architektur, Musikvideos, Werbung, Lego und Hollywood nicht Halt macht.
Samstag, 18. Mai, 15 Uhr
Herzog Wilhelm der Reiche (Vortrag)
Christian Majowski
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Der Vortrag stellt den zu Gerhard Mercators Zeit regierenden Herzog Wilhelm V., genannt „der Reiche“, vor. Christian Majowski zeigt ihn als einen zwischen Krieg und Frieden, Tradition und Moderne, Katholizismus und Humanismus stehenden Regenten, der mit viel Geschick zwischen den verschiedenen Positionen zu vermitteln suchte.
Der Referent stellt bei Auftritten von „Mercators Nachbarn“ Herzog Wilhelm dar.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 2. Juni, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Welt der Renaissance – Vortrag und Lesung
Einführung und Erläuterung: Tobias Roth
Lesung: Frederic Böhle
Die Renaissance in Italien war eine Epoche der Neugier und der Neuheit, der Vielfalt, des Chaos und der Sehnsucht nach Ordnung. Autor und Übersetzer Tobias Roth fächert in seinem Folianten „Welt der Renaissance“ das Panorama der italienischen Literatur vom 14. bis ins 16. Jahrhundert auf und zeigt so eine Seite der Renaissance, die neben der großartigen Bildenden Kunst dieser Zeit gerne vergessen wird: Von den poetischen Experimenten der lateinisch schreibenden Avantgarde bis zu den schlichten Notizen volkssprachlicher Chroniken reicht das Schatzhaus, das es zu öffnen gilt. Wie kaum eine andere demonstriert diese Literatur, wie man mit der eigenen jüngsten Vergangenheit Schluss macht, um sich auf etwas anderes, beispielsweise eine andere Vergangenheit, zu beziehen, und wie man Altes nutzt, um Neues hervorzubringen.
Im Vorfeld der Matinée findet um 10 Uhr ein thematischer Gottesdienst mit Pfarrer Martin Winterberg in der Salvatorkirche statt.
Samstag, 29. Juni, 15 Uhr
Das Mirakel von Arnd Buschmann (Vortrag)
Thorsten Fischer
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Eine Spukgeschichte, die sich wirklich und wahrhaftig in Meiderich zugetragen haben soll! 1437, weit vor Goethes „Faust“, begegnete dem Bauern Arnd Buschmann hier der armen Seele seines Vorfahren in Hundegestalt. Was der Teufel wollte und wie Arnd Buschmann ihn loswurde, davon berichtet Thorsten Fischer in seinem Vortrag. Gleichzeitig wird er die Legende in das mittelalterliche Weltbild von Tod, Jenseits und Fegefeuer einordnen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 13. Juli, 15 Uhr
Die älteste Straße Duisburgs: Die Niederstraße (Führung)
Harald Küst
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
Harald Küst wird mit der Niederstraße die älteste Straße Duisburgs in den Blick nehmen. Der Rundgang beginnt am Mercatorbrunnen und führt entlang der Stadtmauer über die Niederstraße bis zur Ecke Flachsmarkt. An den einzelnen Stationen werden historische Personen und Ereignisse vorgestellt.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 3. August, 15 Uhr
Mustersiedlung Bissingheim? (Führung)
Veronika Reiners
Ort: Dorfplatz Bissingheim
Die Führung wird sich zunächst der Grundidee hinter der Planung Bissingheims als Mustersiedlung widmen. Wie hat sich die Gegend in der Folge entwickelt? Aber nicht nur die Historie, sondern auch Gegenwart und Zukunft dieser Siedlung werden thematisiert. Veronika Reiners verbindet die Geschichte Bissingheims mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten aus dem Stadtteil im Duisburger Süden.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 17. August, 15 Uhr
Sagen und Legenden im Duisburger Wald (Führung)
Dr. Andrea Gropp, Harald Küst, Roland Wolf
Ort: Kammerstraße 233, Eingang TuRa 88, 47057 Duisburg
In früheren Zeiten galt der Duisburger Wald nicht allein als ein Ort des Schreckens und der Gefahr für Leib und Leben, oft versprach er auch Zuflucht vor Feinden oder Freiheit vor der Obrigkeit. Roland Wolf, Dr. Andrea Gropp, Harald Küst werden besondere Orte ansteuern und dort von den Geschichten und Mythen berichten, die sich um den Wald ranken.
Natürlich geht es zum Heiligen Brunnen, in dessen Nähe sogar versteckte Schätze aus der Vorzeit gefunden wurden. Aber was hat es wohl mit dem Teutoburger Wald auf sich, den Johannes Corputius auf seinem Stadtplan einzeichnete? Versteckte sich der gefährliche Räuber Schinderhannes wirklich in einer Höhle bei Duisburg? Und warum waren die Zwerge gefürchtet, die einstmals hier im Duisburger Wald gewohnt haben sollen?
Geplant ist keine große Wanderung, sondern ein Spaziergang von ca. anderthalb Stunden, den man ohne viel Mühe bewältigen kann. Wettergerechte Kleidung und passendes Schuhwerk werden aber empfohlen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 24. August, 15 Uhr
Die Schlegtendals – Eine Familiengeschichte (Lesung)
Margret Stohldreier
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Eine Gedenktafel in der Salvatorkirche brachte Margret Stohldreier auf die Spur der alteingesessenen Familie Schlegtendal. In der Lesung wird ihr Weg von Essen-Werden bis zum Familiensitz in Duisburg geschildert. Dabei ist ihre Geschichte stets eng mit der Geschichte der Stadt verbunden – etwa als Gottfried Schlegtendal Mitte des 19. Jahrhunderts 12 Jahre lang Oberbürgermeister von Duisburg war.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 25. August, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Madrigal oder das Concerto delle donne – Konzert und Lesung
Prof. Gudrun Heyens liest aus ihrem Roman „Madrigal“
Cembalo: Wolfgang Kostujak
Gesang: Laura Kriese
Da sich Italien in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einer relativ kriegslosen Friedensphase befand, konzentrierten sich die norditalienischen Herzogtümer auf Kunst- und Prachtentfaltung, womit Ferrara, Mantua, Mailand und Venedig in eine Art Konkurrenzkampf gerieten. Im Wettstreit um die brillantesten Dichter und Musiker zogen Herzog Alfonso II. d´Este und seine Gemahlin Margherita Gonzaga mit einer Aufsehen erregenden Neuheit alle Blicke auf sich: Sie stellten drei junge Sängerinnen ein, die, anders als bisher üblich war, keine singenden Hofdamen waren, sondern wie die professionellen Instrumentalisten der Capella grande und ihre Leiter als Angestellte bei Hofe bezahlt wurden. Laura Peverara, Anna Guarini und Livia d`Arco waren als das „Concerto
delle donne“ mit ihrem kunstvollen Madrigal-Gesang europaweit bekannt und hochverehrt.
Das Madrigal ist eine in Italien entstandene literarisch-lyrische Form, ab dem 15. Jahrhundert auch ein ein- bis mehrstimmiger Sologesang, der durch die hochvirtuose Verzierungstechnik der Diminution ein Spezialwissen über die Aufführungspraxis der Zeit und gesangstechnisch eine besondere Kunstfertigkeit voraussetzt.
Samstag, 31. August, 15 Uhr
Duisburg brutal? – Nachkriegsmoderne im Stadtbild (Führung)
Annika Enßle, Ferdinand Leuxner
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
Die Führung nähert sich den Betonhäusern in der Innenstadt auf unterhaltsame Weise an: Warum entstanden die heute oft als hässlich bezeichneten Bauten in den 1950er und 1960er Jahren? Und warum tun wir uns im 21. Jahrhundert so schwer mit ihnen? Anhand von gebauten und abgebauten Beispielen will die Führung den Blickwinkel ändern und lädt dazu ein, die „brutalen“ Kolosse der Vergangenheit unter anderen Vorzeichen neu kennenzulernen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 14. September, 15 Uhr
Mit Mercators Azubi durch Duisburg – Der Stadtplan des Johannes Corputius (Führung)
Dr. Jonas Springer, Werner Pöhling
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
Dr. Jonas Springer und Werner Pöhling von „Mercators Nachbarn“ laden zu einem Stadtrundgang durch das Duisburg des 16. Jahrhunderts ein. Start des zweistündigen Rundgangs ist der Mercatorbrunnen vor dem Rathaus. Von dort geht es zu einigen historischen Orten, die der junge Student Johannes Corputius auf seinem Stadtplan anno 1566 vermessen, skizziert und beschrieben hatte. Corputius hatte bei Gerhard Mercator in Duisburg Vermessungstechnik und das Kupferstechen gelernt.
Duisburg war im 16. Jahrhundert eine Stadt mit rund 3000 Einwohnern, die sich zu jener Zeit von der Gründung einer Universität einen wirtschaftlichen Aufschwung erhoffte. Man kann annehmen, dass der detailgetreue Stadtplan zur Werbung für Duisburg dienen sollte, mit sauberen Straßen und Plätzen und reichlich grünem Baumbestand.
Während des Rundgangs erfahren die Teilnehmer zudem Wissenswertes darüber, woher Duisburg die Steine für den Bau der Stadtmauer und Wohnhäuser bezog, welche Gelehrten in direkter Nachbarschaft zu Gerhard Mercator lebten und wo man das 16. Jahrhundert noch heute in der Stadt entdecken kann.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 21. September, 15 Uhr
Street-Art in Duisburg (Führung)
Annika Enßle, Ferdinand Leuxner
Ort: Werthmann-Kugel (am Kuhlenwall)
Kunst im öffentlichen Raum muss kein Denkmal und keine Statue sein. Sie muss nichtmal von bekannten Künstlern gestaltet werden. Denn Streetart ist Kunst, die überall auftauchen und theoretisch von jedem geschaffen werden kann. Annika Enßle und Ferdinand Leuxner zeigen große und kleine Kunstwerke und erläutern ihre Geschichten.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 28. September, 15 Uhr
Johannes Corputius – Aus den Familienbriefen (Lesung)
Marion Bachmann, Markus Schneider-Bachmann, Dr. Jonas Springer, Margret Stohldreier
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Johannes Corputius ist in Duisburg vor allem für seinen Plan der Stadt bekannt, den er anfertigte, als er bei Gerhard Mercator in die Lehre ging. Die zahlreichen Briefe, die er mit seiner Familie in Breda gewechselt hat, verraten uns aber ein wenig von seinem Charakter. So fielen ihm etwa immer neue Ausreden ein, wieso er nicht, wie von den Eltern gewünscht, Medizin oder Jura studierte – und das, obwohl er ihnen nur schrieb, wenn er mal wieder Geld für Hemden oder Bücher brauchte. Dass er auch in späteren Jahren nicht ganz einfach im Umgang war, zeigt der Spitzname, den er in seiner Familie hatte: „Johannes Contra“ – also „Johannes dagegen“…
In ihrer Lesung präsentieren Mercators Nachbarn ausgewählte Anekdoten und zeigen die Herausforderungen bei der Recherche und Auswertung der Briefsammlung auf.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 29. September, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Dürer – Cranach – Holbein.
Die Entdeckung des Menschen – Das deutsche Porträt in der Reanissance
Dr. Christof Metzger
Der Termin entfällt! Wir bemühen uns um einen Nachholtermin.
Lange Zeit haben die Schatten altniederländischer oder italienischer Porträtkunst den Blick auf die deutschen Beiträge zum Thema des Porträts verdunkelt. Zwar dürfen sich die Niederländer rühmen, mit ihrem Naturalismus die Unverwechselbarkeit in der Abbildung des Menschen erst ermöglicht zu haben, die Meister Italiens, dass sie durch die Spannung zwischen Idealisierung und Ähnlichkeit den Schönheitsbegriff einer ganzen Epoche, der
Renaissance, prägten. Doch gelangte gerade die deutsche Bildnismalerei – an der Spitze ihre größten Exponenten: Albrecht Dürer, Lucas Cranach d. Ä. und Hans Holbein d. J. – zu hochbedeutenden und sehr eigenständigen künstlerischen Leistungen, deren besondere Stärke in der authentischen Erfassung einer Person, gepaart mit der subtilen psychologischen Durchdringung der Dargestellten liegt.
Der Vortrag wird sich dem Blick des Künstlers auf den Menschen am Übergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit im deutschen Sprachraum widmen, als die großen Meister zu Entdeckern – um nicht zu sagen: und Erfindern – des Menschen werden.
Samstag, 5. Oktober, 15 Uhr
Wanheim – ein 1000 Jahre alter Stadtteil (Führung)
Veronika Reiners
Ort: NN
Wanheim wird bereits 1052 erstmals erwähnt. Und hat seitdem einiges erlebt! Wieso die Wanheimer mit dem Boot zur Kirche fahren mussten und was Napoleon mit dem „Franzosenweg“ zu tun hat, zeigt der Rundgang, der von Alt-Wanheim bis zum Biegerpark führt.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 12. Oktober, 15 Uhr
Spaziergang durch das Wasserviertel (Führung)
Dr. Andrea Gropp, Roland Wolf
Ort: Philosophenweg, auf Höhe der Bushaltestelle „Hansegracht“
Der etwa 90-minütige Spaziergang führt einmal quer durchs „Wasserviertel“ – und mitten hinein in die Geschichte Duisburgs. Zunächst erfahren wir, wieso das Viertel entstanden ist, was sich früher an seiner Stelle befand und was es eigentlich mit dem Wasser zu tun hat.
Der Rundgang zeigt aber auch, wo einst Luftfahrtpioniere ihre ersten Flugversuche unternahmen, wer das Theater baute, welche „Brücke“ vom Wasserviertel aus über den Ärmelkanal führte und was Gerhard Mercator mit dem Landfermann-Gymnasium zu tun hat. Auch die Spuren, welche die beiden Weltkriege im Wasserviertel auf ganz unterschiedliche Weise hinterlassen haben, werden sichtbar.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
TERMIN WIRD VERSCHOBEN!
Anna von Kleve – Mythos und Wahrheit
(szenische Lesung + Vortrag)
Dr. Angela Lindner
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum
1539 suchte der englische König Heinrich VIII., der seit zwei Jahren verwitwet war, nach einer neuen Gemahlin. Seine Berater rieten ihm zu einer Hochzeit mit einer der Schwestern des Herzogs Wilhelm V. von Jülich-Kleve-Berg. Herzog Wilhelm, auch Landesherr über Duisburg, wollte sich mit dem englischen König gegen den mächtigen Kaiser Karl V. verbünden – die Hochzeit war für beide Seiten von großer politischer Bedeutung. So kam es, dass Prinzessin Anna von Kleve Ende 1539 mit großem Gefolge nach England reiste und hier kurz nach ihrer Ankunft Heinrich VIII. heiratete. Doch die Ehe hielt nicht lang! Schon bald wurde sie unter fadenscheinigen Gründen annulliert…
Was hielt Anna von ihrer Verheiratung und was führte zur Auflösung dieser Ehe? Und wie erging es ihr in den folgenden Jahren? Bis heute ranken sich Gerüchte und Geschichten um ihre Zeit in England. „Mercators Nachbarn“ werden Anna von Kleve mit einer neuen Episode ihrer ‚szenischen Lesung‘ auf die Bühne holen. Anschließend wird Dr. Angela Lindner, die sich seit Jahren mit dem Schicksal der Prinzessin befasst, die Ereignisse rund um die Ehe von Anna und Heinrich in den politischen Zusammenhang einordnen und dadurch verständlich machen.
Samstag, 26. Oktober, 15 Uhr
Kriminelles Duisburg (Führung)
Veronika Reiners
Ort: Mercator-Brunnen auf dem Burgplatz
True Crime bei „Mercators Nachbarn“: Auf ihrer kriminellen Zeitreise führt Veronika Reiners durch die Duisburger Unterwelt vergangener Tage.
Wetterfeste Kleidung wird empfohlen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 27. Oktober, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
„al quale ha posto mano e cielo e terra“
Botticellis Zeichnungen zu Dantes „Göttlicher Komödie“
Prof. Dr. Damian Dombrowski
In einem einzigartigen Zyklus großformatiger Zeichnungen auf Pergament hat Sandro Botticelli am Ende des 15. Jahrhunderts Dantes „Göttliche Komödie“ fast vollständig illustriert. Der Maler, den wir normalerweise mit seinen mythologischen Gemälden oder seinen Madonnenbildern assoziieren, hat damit einen veritablen Bildkommentar zu diesem wichtigsten Werk der italienischen Dichtung geschaffen. In Botticellis Interpretation tritt die Fähigkeit und Disziplin hervor, die vereinheitlichende Struktur des Poems formal zu erfassen: Bei jeder Einzelszene hatte er die Gesamtkonzeption im Auge, die als ‚Bauplan‘ hinter allem Episodischen steht.
Damit offenbart die Zeichnungsfolge ein Durchdenken des danteschen Kosmos, das sowohl dessen religiösen Kern als auch die künstlerische Gesamtkonzeption des Versepos freizulegen wusste – und sogar der Steigerung der Vortragsweise Rechnung trägt: narrativ in den ersten beiden Jenseitsreichen Inferno
und Purgatorio, visionär in den Zeichnungen zum Paradiso. Kein anderer Künstler hat so angemessene Bilder für den ‚doppelseitigen‘ Charakter des „poema sacro“ gefunden, „al quale ha posto mano e cielo e terra“ (an dem Himmel und Erde wirkten), wie Dante selbst im 25. Paradiesgesang bekennt.
Samstag, 16. November, 15 Uhr
Das geheime Tagebuch der Anna von Kleve (Vortrag)
Dr. Angela Lindner, Margret Stohldreier
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum
Seit fast 400 Jahren ranken sich Geschichten und Gerüchte um die Heirat der Jülicher Herzogstochter Anna mit dem englischen König Heinrich VIII.
Kürzlich ist ein fiktives Tagebuch der kurzeitigen „Königin von England“ aufgetaucht, das uns ein klareres Bild ihrer eindrucksvollen Persönlichkeit vermittelt. Wie ist es ihr gelungen, trotz des mörderischen Umfeldes im London des 16. Jahrhunderts zu überleben? Wie hat sie es geschafft, ein reiches, aber dabei relativ unabhängiges Leben zu führen? Wir bekommen Einblicke in ihr privates Leben und erfahren, was sie von ihren Nachfolgerinnen als Königinnen an Heinrichs Seite hielt. Margret Stohldreier erzählt anschaulich, was Anna aufgeschrieben haben könnte und rückt dabei das häufig schiefe Bild, das die Nachwelt von Anna gezeichnet hat, gerade.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 23. November, 15 Uhr
Von Erdkugeln und Weltkarten (Vortrag)
Werner Pöhling
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Das Kultur- und Stadthistorische Museum bewahrt mit dem beeindruckenden Bestand an Atlanten und einem der seltenen Globenpaare von Gerhard Mercator einen kartographischen Schatz besonderer Qualität. Doch was kannte der Duisburger Kartograph an älteren Vorlagen aus der Antike, dem Islam und dem Mittelalter, was davon ist in seine Werke eingeflossen? Und wie haben seine Werke wiederum die moderne Kartographie und Navigation bis heute beeinflusst? Werner Pöhling wird diese und weitere Fragen beantworten.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 24. November, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Was darf Kunst? Wie frei ist die Kunst? Die Renaissance und die Gegenwart
Hanno Rauterberg
Weiterhin wird die Renaissance als der Anfang des Anfangens beschrieben: als Aufbruch in eine neue Zeit. Und weiterhin gilt der künstlerische Wettbewerb um die Gestaltung der bronzenen Baptisteriumstüren in Florenz um 1400 als Signal dafür, dass von nun an alles anders und vor allem besser werde. Sieben Künstler traten damals mit je einem Probestück an, am Ende siegte Lorenzo Ghiberti über Filippo Brunelleschi. Nur warum der eine dem anderen überlegen war, ist bis heute umstritten. Im Bargello Museum in Florenz hängen beide Tafeln nebeneinander – und laden alle dazu ein, sich selbst ein Urteil zu bilden. Und also in ein Kunstgespräch einzutreten, das über Jahrhunderte lebendig geblieben ist.
Bis heute ergeben sich aus dem frühen Einzelfall, dem Drama um Sieg und Niederlage, viele überwölbende Fragen. Zum Beispiel: Wurde erst hier, im Geist der Konkurrenz, das Feuer der modernen Kunst entfacht? Brauchte es das Gegeneinander der Künstler, damit sich eine neue Idee vom Individuum entwickeln konnte? Eine Idee, aus der wiederum die heutige Idee der Selbstbestimmtheit und der Freiheit entstand? Unterdessen sind viele dieser Renaissance-Ideale – die Autonomie, das Genie- und Konkurrenzdenken – in Misskredit geraten: Lohnt es sich dennoch, an sie anzuknüpfen?
Samstag, 30. November, 15 Uhr
Aus dem Leben des Gerhard Mercator (szenische Lesung)
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Fast pünktlich zu Mercators Todestag Anfang Dezember führen „Mercators Nachbarn“ ihre beliebte szenische Lesung zu prägenden und turbulenten Lebensstationen des Gelehrten auf. Die Besucher erfahren nicht nur einiges aus dem Leben Gerhard Mercators, sondern lernen auch den Studenten Johannes Corputius während der Stadtvermessung kennen, sitzen mit am Gelehrten-Stammtisch im „Versoffenen Finken“, um bei einem Bier die Politik und die Ideen neumodischer Gelehrter wie Kopernikus zu diskutieren.
Die Darsteller kleiden sich zu diesem Anlass in selbstgeschneiderte Gewänder aus der Zeit des 16. Jahrhunderts, die die Gewandmeisterin Ulrike Altegoer angefertigt hat.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 7. Dezember, 15 Uhr
Adalgunda von Dispargum (Autorenlesung)
Marion Bachmann, Markus Schneider-Bachmann
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Markus Schneider-Bachmann liest gemeinsam mit Marion Bachmann aus seinem Roman „Adalgunda von Dispargum“. Tiusburg am Rhein (das heutige Duisburg), 427 n.Chr.: Adalgunda weiß nicht, was sie von dem trinkfesten Kerl mit den langen Haaren und dem wilden Bart halten soll, der sich mit seinen Kriegern in ihrem Heimatort einnistet. Doch dieser Frankenkönig Chlodio hat sich nun mal entschlossen, in der lange verlassenen Römerfestung, dem Castrum Dispargum, seinen Wohnsitz zu nehmen. So muss man sich arrangieren und Adalgunda wird mit Schild und Schwert zur treibenden Kraft eines großen Abenteuers, dessen Folgen das Bild Europas bis auf den heutigen Tag prägen.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Samstag, 14. Dezember, 15 Uhr
Die „Gummibahn“ – Ein Stück Duisburger Eisenbahngeschichte (Vortrag)
Klaus-Dieter Brüggenwerth, Markus Schneider-Bachmann
Ort: Kultur- und Stadthistorisches Museum, Johannes-Corputius-Platz 1, 47051 Duisburg
Klaus-Dieter Brüggenwerth und Markus Schneider-Bachmann berichten Duisburger Eisenbahngeschichte aus einer Zeit, als in Duisburg noch die „Gummibahn“ fuhr. Was es mit diesem Verkehrsmittel auf sich hat und wie die Eisenbahn die Stadt geprägt hat, zeigt der reich bebilderte Vortrag.
Die Teilnahme ist kostenfrei; es wird um eine Spende für die Mercator-Gesellschaft gebeten.
Sonntag, 15. Dezember, 11:15 Uhr (Mercator Matinée)
Geschichten aus dem „Dekameron“
Mathias Leja
Zu den „unzüchtigen und lüsternen“ Büchern, die 1470 in Florenz bei Girolamo Savonarolas „Fegefeuer der Eitelkeiten“ in Flammen aufgingen, zählte auch das 1470 erstmalig gedruckte „Dekameron“ (italienisch „Il Decamerone“) von Giovanni Boccaccio. Die Sammlung von 100 Novellen gilt als stilbildendes Werk der Renaissance, das zum Vorbild fast aller weiteren abendländischen Novellensammlungen wurde. Boccaccio verlegt die Rahmenhandlung in ein Landhaus in den Hügeln von Florenz, wohin sieben Frauen und drei junge Männer vor der Pest geflüchtet sind, die im Frühjahr und Sommer des Jahres 1348 Florenz heimsuchte. Die Flüchtlinge versuchen, sich gegenseitig zu unterhalten und wählen
jeden Tag eine Königin oder einen König. Diese Person gibt einen Themenkreis vor, zu dem sich jeder der Anwesenden eine Geschichte ausdenken und zum Besten geben kann. Nach zehn Tagen und zehn mal zehn Novellen kehrt die Gruppe wieder nach Florenz zurück.
Der Novellenkranz des „Dekameron“ erlangte Weltruhm.
Boccaccio hat selbst Filmkünstler des 20. Jahrhunderts wie Pasolini, Fellini und Visconti inspiriert. Während der Coronakrise las der Schauspieler Mathias Leja in der Isolation der Quarantäne ausgewählte Geschichten aus dem „Dekameron“ und stellte sie bei YouTube ein. Das Publikum der Mercator Matinéen hat nun das Vergnügen, Mathias Leja live mit ausgewählten Geschichten aus dem
„Dekameron“ zu erleben.