Jahresprogramm 2022

VORTRÄGE, FÜHRUNGEN UND STUDIENFAHRTEN


Sonntag, 5. Juni, 11:15 Uhr – Mercator Matinée
Prof. em. Dr. Bernd Roeck: Der Morgen der Welt – Was macht Europa aus zu Beginn der Neuzeit?

Raffael: Die Schule von Athen, 1510/11 (Ausschnitt).

Die große Frage, die der Vortrag aufgreift und zu beantworten versucht, lautet: Wie kam es, daß das kleine Europa, genauer: dessen westlicher Teil und dann das von Europa geprägte Amerika, bis ins 20 Jahrhundert die in wissenschaftlicher und technischer Hinsicht bei weitem erfolgreichste Region der Welt war, während die bis ins 12. Jahrhundert führenden islamischen Länder und China Niedergang erlebten? Es wird nicht darum gehen, allein eine Triumphgeschichte zu erzählen; die dunkle Seite des „Aufstiegs Europas“ wird nicht ausgeblendet werden. Nicht zuletzt die Europäerinnen und Europäer selbst hatten teuer dafür zu bezahlen. Vergleiche sollen zeigen, welche Voraussetzungen für die Karriere des Kontinents wichtig, vielleicht entscheidend waren. Dazu zählten seine politische und kulturelle Vielfalt, Freiheiten und die Existenz von Mittelschichten, die Eindämmung der Macht der Religion und das antike Erbe mit seinem kritischen Geist. Entscheidend war die Offenheit Europas für Kulturtransfers: die Bereitschaft, vom Fremden zu lernen. Ein Ausblick wird sich mit der Frage beschäftigen, ob das europäisch-amerikanische Zeitalter inzwischen seinem Ende entgegengeht und die Zukunft China und anderen Ländern Asiens gehören könnte.


Sonntag, 25. September, 11:15 Uhr – Mercator Matinée
Pierre Leich: Wie die Erde rund wurde – Von Thales‘ ebener Erde bis zur Amerika-Karte von Waldseemüller

Aus: Sacrobosco (1195-1256), „De sphaera mundi“, Ausgabe von 1510.

Wem verdanken wir die Erkenntnis der Kugelgestalt der Erde?
Brauchte es erst die Fahrten von Kolumbus, da Gama und Magellan oder legte nicht schon Eratosthenes einen schlüssigen Beweis nebst Erdumfangsrechnung vor? Der Vortrag verfolgt die Lehre der Kugelgestalt aus der Antike über die Kirchenväter bis zur Entdeckung Amerikas, deckt Missverständnisse auf und klärt, um was es beim Streit von Columbus in Wahrheit ging. Den Abschluss bildet die berühmte Weltkarte von Martin Waldseemüller, die neben der Überlieferung von Ptolemäus bereits die Entdeckungen von Amerigo Vespucci enthielt und erstmals Amerika als eigenständigen Kontinent darstellt.


Sonntag, 23. Oktober, 11:15 Uhr – Mercator Matinée
Prof. em. Dr. Luise Schorn-Schütte: Karl V. – Kaiser im Reich, in dem die Sonne nicht untergeht

Tizian: Karl V., 1548.

Karl V. (1500-1558) gilt als Kaiser zwischen Mittelalter und Neuzeit. Diese Charakterisierung ist deshalb wichtig, weil sie das Amtsverständnis des Habsburgers verdeutlicht und damit auch seine weltumspannende Außenpolitik verständlicher werden lässt. Karl V. betrachtete es – eben im mittelalterlichen Verständnis – als seine Aufgabe, eine „monarchia universalis“ aufrecht zu erhalten. Für die Menschen des beginnenden 16. Jahrhunderts bedeutete dies, dass der christliche Kaiser als weltlicher Herrscher den Schutz des christlichen Glaubens in der ganzen, damals bekannten Welt aufrecht zu erhalten hatte. Als pater patriae sollte er seine Untertanen in der ganzen Welt schützen. Damit stand er als weltlicher Herrscher neben dem Papst, dessen Aufgabe in der geistlichen Fürsorge für alle getauften Christen bestand. Gegen dieses zentrierende Verständnis entwickelte sich u.a. auch im Kontext der reformatorischen Bewegung ein anderes Herrschaftsverständnis. Diese Auffassung vom Charakter der Herrschaft reduzierte den Anspruch der kaiserlichen monarchia universalis, durch Teilung sollte Herrschaft begrenzt werden. Der Gegensatz war Ausgangspunkt für etliche Machtkonflikte des 16. Jahrhunderts in Europa und über Europa hinaus.


Sonntag, 20. November, 11:15 Uhr – Mercator Matinée
Podiumsgespräch: Was wird aus der EU?
Prof. Dr. Ulrike Guérot, Prof. Dr. K. K. Patel, Jan Jessen

„Banksy does Brexit“

Mit dem Vertrag von Maastricht wurde 1992 die Europäische Union (EU) gegründet, die damit auf die in den Fünfzigerjahren von sechs Staaten initiierte Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) folgte und Zuständigkeiten in nicht wirtschaftlichen Politikbereichen bekam. In mehreren Reformverträgen, zuletzt im Vertrag von Lissabon, wurden die überstaatlichen Zuständigkeiten
der EU weiter ausgebaut. Seit einigen Jahren befindet sich die Europäische Union nun in einem neuen, schwierigen Prozess der Selbstfindung. Wichtige Fragen zur Migration, zum Klimawandel, zur EU-Erweiterung, zu einer gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik, zum demografischen Wandel, zur Bürokratisierung sind nicht geklärt. Mit Großbritannien hat zudem eines der größten Mitgliedsländer sich entschlossen, die EU zu verlassen. Die schwache geopolitische Position der EU ist gerade erst im Syrienkonflikt deutlich geworden. In dem Podiumsgespräch soll erörtert werden, wie eine (neue) europäische Vision aussehen könnte.

Das Podiumsgespräch wurde ermöglicht durch die freundliche Unterstützung der Sparkasse Duisburg und dem Duisburger Büro von Europe Direct.