Veranstaltungen und Projekte

MERCATOR-MATINÉEN 2019

Die Mercator-Gesellschaft unterstützt die Mercator-Matineen, die mehrmals im Jahr Sonntags um 11.15 Uhr im Kultur- und Stadthistorischen Museum zu einem Jahresthema stattfinden.

 

Sonntag, 24. November, 11.15 Uhr
Lesung

Dr. h. c. Hanns Zischler (Filmschauspieler, Dramaturg, Regisseur, Hörspielsprecher, Fotograf, Übersetzer, Essayist, Schriftsteller und Verleger)
„Die Erkundung Brasiliens durch Friedrich Sellow.
Aus den unveröffentlichten Tagebüchern des Freiherrn von Langsdorff“

„Brasilien! Als träte man in ein unbekanntes Paradies …“ Brasilien im 19. Jahrhundert: Ein bislang unerschlossenes Land wird entdeckt. Der Aufbruch in die Unabhängigkeit beginnt, die brasilianischen Häfen öffnen sich erstmals seit Jahrhunderten dem Ausland. Einer der ersten, die sich auf die Suche nach bisher unbekannten Völkern, Kulturen, Tieren und Pflanzen dorthin aufmachten, ist Friedrich Sellow. Länger als irgendwer sonst zieht er ohne festen Wohnsitz durch das Land, kein anderer Europäer wird es so gut kennenlernen. Er sammelt Tausende Tiere und Pflanzen, die Eindrücke seiner Reise hält er in erst kürzlich entzifferten Tagebüchern fest. Landschaften, Naturgegenstände und Portraits der indigenen Bevölkerung bringt der begnadete Zeichner zu Papier. Sein Nachlass umfasst schließlich mehr als hundert Kisten. Doch der naturkundliche Schatz muss den Rückweg alleine antreten: Mit 42 Jahren ertrinkt Sellow im Rio Doce. In seiner Lesung aus den unveröffentlichten Tagebücher des Freiherrn von Langsdorff, der Friedrich Sellow nach Brasilien holte und unterstützte, erzählt Hanns Zischler von der Frühzeit der Erkundung Brasiliens und von Sellows Reisen.


Sonntag, 27. Oktober, 11.15 Uhr
Vortrag
Prof. Dr. Hans Ulrich Vogel
, Eberhard Karls Universität Tübingen

„Marco Polos Millionen: War der Venezianer in China?“
Immer wieder tauchen Zweifel auf, ob Marco Polo (1254-1324) überhaupt in China gewesen sei. Die Hauptargumente, die gegen einen Aufenthalt des Venezianers in Asien vorgebracht werden, beziehen sich meistens auf Ungenauigkeiten und Auslassungen in seinem Bericht über das Reich der Mitte. Der Vortrag wird auf den Stand dieser Diskussion eingehen. Weiterhin wird er anhand von Fallstudien bisher unbeachtet gebliebene Informationen in Polos „Le Divisament dou Monde“ analysieren – all dies in Gegenüberstellung zu entsprechenden Nachrichten in chinesischen Quellen.

Zu dem Thema findet ein Gottesdienst in der Salvatorkirche statt. Die Predigt hält Pfarrer Martin Winterberg.


Sonntag, 29. September, 11.15 Uhr
Podiumsgespräch
„450 Jahre Mercator-Projektion“

„Der Meister aus Rupelmonde steht unübertroffen in der Kartographiegeschichte seit der Zeit des Ptolemaios.“ Das schrieb der finnische Polarforscher und Kartenhistoriker Adolf Erik Nordenskiöld am Ende des 19. Jahrhunderts und hatte dabei vor allem Mercators Weltkarte aus dem Jahr 1569 und die dabei verwendete „Mercator-Projektion“ im Sinn. Gedacht war diese Karte „ad usum navigantium“, doch bis heute finden es lange nicht nur Seefahrende praktisch und ästhetisch, Länder, Kontinente oder die ganze Erde auf diese Weise darzustellen. In der Podiumsdiskussion sprechen wir über die Gründe für diese Beliebtheit, über die Kritik, die daran geübt wurde und über Grenzen und Bedeutung der Mercator-Projektion im digitalen Zeitalter.

Teilnehmer:
Dr. rer. nat. Ulf von Rauchhaupt (FAS) Seit 2001 Redakteur im Ressort Wissenschaft der FAS, dort zuständig für Physik, Mathematik, Astronomie, Geo- und Altertumswissenschaften, seit 2008 als mitverantwortlicher Ressortleiter.

Prof. Dr. Peter Mesenburg, Essen, 1974-2005 Professor für Kartographie, Fachbereich Vermessungswesen der Universität Duisburg-Essen, seit 2014 Präsident des Förderkreises Vermessungstechnisches Museum e. V., Dortmund

Dr. David Kuchenbuch, Gießen Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen

Dr. Ing. Christoph Hormann, Freiburg Grafik-Designer im Bereich Geovisualisierung mit Schwerpunkten in 3D-Visualisierung, Satellitenbild-Verarbeitung, Reliefdarstellung sowie Verarbeitung und Generalisierung kartographischer Daten

Video der Matinée


Sonntag, 7. Juli, 11.15 Uhr
Lesung und Gespräch
Carl von Siemens 
(Autor, Journalist. Berlin)

„Der Tempel der magischen Tiere“
Seit jeher begeben sich Schriftsteller auf Reisen, um das Natürliche, das Unverfälschte und das Ursprüngliche zu erfahren. Und um Antworten auf die Fragen des eigenen Lebens zu erhalten. Carl von Siemens folgt dieser Tradition. Bei indigenen Völkern im pazifischen Raum möchte er lernen, die Welt mit anderen Augen zu sehen. In Australien begegnet er dem magischen Denken der Aborigines und teilt ihren Alltag im Outback. Auf Mangaia, der ältesten der Cookinseln, erlebt er die Vormoderne nur mehr als Spuk. Und in Peru wird er von Mestizen und Amazonasindianern in den Gebrauch halluzinogener Pflanzenmedizin eingewiesen. Bei seinen sinnlich und elegant erzählten Reisen stößt Carl von Siemens nicht nur an die Enden der Welt vor. Sie werden auch zu Ausflügen in die Tiefen seiner Seele, die er mit pointierter Selbstironie erforscht.

Moderation: Wilfried Schaus-Sahm

Zu dem Thema findet ein Gottesdienst in der Salvatorkirche statt. Die Predigt hält Pfarrer Martin Winterberg.


Sonntag, 2. Juni, 11.15 Uhr
Vortrag
Prof. Dr. Klaus Geus
 (Freie Universität Berlin)

„Die Geographie des Ptolemaios (ca. 150 n. Chr.) – Alte Fragen, neue Antworten“
Die Geographie des Klaudios Ptolemaios (lat. Ptolemäus), verfasst um 150 n. Chr., war für anderthalb Jahrtausende das Standardwerk der Geographie und Kartographie. Mehr als 8000 Toponyme und mehr als 6300 Längen- und Breitenangaben sind dort minutiös aufgelistet. Wie kein zweiter hat Ptolemaios die geographischen Vorstellungen vieler Generationen geprägt und wissenschaftliche Neuerungen wie die Nordorientierung der Karten oder unser Koordinatensystem etabliert. Obwohl uns Ptolemaios in seiner Einleitung viele Anweisungen für das Anfertigen von Karten an die Hand gegeben hat, bleiben einige wichtige Fragen bis heute ungelöst: Woher stammt das umfangreiche Datenmaterial des Ptolemaios? Warum sind seine Karten so stark in Ost-West-Richtung „überdehnt“? Können wir seine Koordinaten mit modernen Mitteln überprüfen und sogar „rektifizieren“? Antworten auf diese Fragen versucht dieser Vortrag zu geben.


Sonntag, 5. Mai, 11.15 Uhr
Lesung
Dennis Gastmann Hamburg
 (Autor, Journalist)

„Atlas der unentdeckten Länder“
Piratennester, verbotene Berge, versinkende Inseln – mit Dennis Gastmann auf einer einzigartigen Abenteuerreise Nach Marco Polo, Kolumbus und Vasco da Gama geht der nächste große Entdecker auf Reisen.
Dennis Gastmann erkundet die letzten unentdeckten Länder dieser Welt: Akhzivland, Karakalpakstan, R’as al-Chaima – magische Orte, fern, unbekannt oder vergessen. So steuert Gastmann an Bord eines Seelenverkäufers auf Pitcairn zu, einen Felsen in der Südsee, auf dem die Nachfahren der Meuterer von der Bounty leben. Sie bitten ihn, für immer zu bleiben – es fehlt an jungen Leuten. Er wandert durch die tausendjährige Mönchsrepublik auf dem Berg Athos, in der Touristen unerwünscht sind, Frauen ein Skandal – die bärtigen heiligen Männer wollen unter sich bleiben. Gastmann taucht mit einem Rudel Haie in Palau, der weltweit ersten Haischutzzone, und sucht nach Liebe in Transnistrien, einem Mafiastaat, der Besuchern rät: „Fahren Sie lieber nach Spanien!“ Er gerät in Wüstenstürme, strandet tagelang in einem Flughafenterminal und wird zum letzten Kaiser von Ladonien gekrönt …
Dennis Gastmann begibt sich auf eine Reise zu den Ausläufern unserer Zivilisation. Wie sieht es dort aus? Wie lebt man dort? Und was sagt das über den Rest unserer durchorganisierten Erde?
Eine aufregende Mischung aus Douglas Adams und Herodot – und ein einzigartiges Reiseabenteuer.


Sonntag, 7. April, 11.15 Uhr
Vortrag

Klaus Dinger (Uhrensammler und Buchautor, Duisburg)

„Die Uhr, John Harrison und das Längengradproblem“
Mit dem ausgehenden 15. Jh. wagen sich Abenteurer, Forscher und Kaufleute zunehmend auf offene See hinaus, obwohl die Positionsbestimmung fernab aller Küsten mit den gegebenen Mitteln so ungewiss wie ein Glücksspiel ist. Zwar lassen sich aus der Mittagshöhe der Sonne die Breitengrade ermitteln, doch gibt es weder seetaugliche Uhren, mit deren Hilfe sich aus der Ortszeitdifferenz zum Heimathafen die geografische Länge auf See bestimmen ließe, noch kann die Astronomie in ausreichendem Umfang Navigationshilfen liefern. Verheerende Schiffskatastrophen fordern das Leben abertausender Seeleute, und der Verlust an Fracht und Schiffen ist enorm. Mit dem Longitude-Act von 1714 lobt die Englische Krone den Preis von 20.000 Pfund für ein Verfahren zur genauen Längengradbestimmung aus, um den der gelernte Tischler John Harrison mit seinen genialen Seechronometern gegen die Konkurrenz der Astronomen kämpft. Davon soll der Vortrag berichten, einen Einblick in die frühe Navigation und deren Mittel gewähren und von der Entwicklung der Räderuhr und dem Traum, sie einmal zum Segen der seefahrenden Nationen einsetzen zu können, schildern


Sonntag, 3. März, 11.15 Uhr
Vortrag
Prof. Dr. Jürgen Goldstein
, Universität Koblenz-Landau
„Georg Forster – Zwischen Freiheit und Naturgewalt“

Georg Forster (1754-1794) war eine der faszinierendsten Gestalten seiner Zeit: glänzender Schriftsteller, Naturforscher, Entdecker, Zeichner, Übersetzer und entschiedener Revolutionär. Auf seiner Weltumsegelung mit James Cook berührte er Eisberge mit den eigenen Händen, lief den Strand von Tahiti entlang, besuchte fremde Völker, lebte unter „Menschenfressern“ und überquerte Ozeane und den Äquator. Und er stand im Zentrum des politischen Geschehens, als er – inspiriert von der Französischen Revolution – 1793 die „Mainzer Republik“ ausrief, die erste Republik auf deutschem Boden. In diesem Ausnahmeleben berührten sich „Freiheit“ und Naturgewalt“: Niemand ist auf vergleichbare Weise das erfahrungsgetriebene Experiment eingegangen, die Natur mit dem Politischen kurzzuschließen.
Die Funken, die Forster aus seinen Leitvorstellungen schlug, erhellten für einen Weltaugenblick die Aussicht, es könne so etwas wie natürliche Revolutionen geben.


Gottesdienste in der Salvatorkirche
Im Vorfeld derfolgenden Mercator-Matinéen finden jeweils um 10 Uhr in der Salvatorkirche (Burgplatz neben dem Rathaus) thematische Gottesdienste zu den Matinéen statt. Die Predigten hält Pfarrer Martin Winterberg (Pfarrer an der Salvatorkirche). Da die Matinéen um 11.15 Uhr beginnen, ist es problemlos möglich, diese nach dem Gottesdienst rechtzeitig zu erreichen.

Sonntag, 7. Juli,
Carl von Siemens, „Der Tempel der magischen Tiere“
Lesung und Gespräch

Sonntag, 27. Oktober,
Vortrag
Prof. Dr. Hans Ulrich Vogel
„Marco Polo’s Millionen: War der Venezianer in China?“

Weitere Informationen zu den Mercator-Matineen finden Sie unter:
>> mercator-matineen

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